(Bericht aus dem Fachgruppentag der Wiener Finanzdienstleister vom 3.11.2014)

Inhalte:

– Budget und Verluste der Fachgruppe

– Neue „Mitglieder“

– Versteigerer, Pfandleihunternehmer und „sonstige Finanzdienstleister“

– Der demokratische Umgang mit Anträgen

– Die Standesregeln – Sinn und Kosten?

– Banken, FMA und deren Vertreter…

 

 

Am Montag, dem 3.11.2014,  fand im Spartenhaus der Wirtschaftskammer Wien die Fachgruppentagung der Wiener Finanzdienstleister statt.

Die Besucherzahl war äußerst spärlich – außer den Funktionären rund um FG-Obmann Prietl hatte sich vielleicht ein Dutzend „echter“ Besucher zu der an sich bedeutendsten Fachgruppen-Veranstaltung des Jahres versammelt.

Die Fachgruppentagung sollte ja DIE Veranstaltung sein, bei der die Mitglieder selbst Entscheidungen IHRER Fachgruppe treffen können.

Doch die Teilnehmer hatten eine guten Riecher – die Tagesordnung bot keinerlei Punkte, über die abzustimmen gewesen wäre, und auf die Kontrolle bzw. Genehmigung des Budgets haben die Mitglieder wegen der „Delegierung“ verzichtet (Anmerkung: auf Antrag kann die Fachgruppentagung auf die Budgethoheit verzichten und diese an die Funktionäre delegieren).

Ob sie wissen, dass sie damit jegliches Mitspracherecht über die Geschehnisse in der Fachgruppe an deren Führung abgegeben haben, darf bezweifelt werden.

 

Das Budget:

Es stellt sich die Frage, WIESO eine Fachgruppenleitung Derartiges (nämlich die Delegierung) überhaupt vorschlägt – WILL man nicht jährlich Rechenschaft über die finanzielle Gebarung abliefern?

Tatsächlich schaut es mit den Finanzen nicht gut aus: Ein Budget von rd. 600.000,– sollte eine Gebarungsreserve in derselben Höhe aufweisen – davon ist man meilenweit entfernt.

Im Gegenteil – durch die gesunkene Mitgliederzahl wurde ein erklecklicher Verlust budgetiert, der die Reserven weiter aufzehrt. Weniger Ausgaben parallel zu den gesunkenen Mitgliedszahlen scheinen für Hrn. Prietl und Co keine Option zu sein.

Beachtenswert ist aber, dass die Fachgruppe offenbar dem Mitgliederschwund vehement entgegenwirkt…DENN:

 

Viele „neue“ Mitglieder:

Nicht genug, dass die Berufszweige der Finanzdienstleister neben dem Auslaufmodell FDL-Assistent, dem Gewerblichen Vermögensberater, den Kreditauskunfteien, den Leasingunternehmen, den Pfandleihunternehmen, den Bausparberatern, den Wertpapierunternehmen und WP-Vermittlern etc. (zb
. Versteigerern)  eine gewaltige „Breite“ aufweisen, gibt es noch „Sonstige Finanzdienstleister“ – das sind z.B. Tippgeber (und Vertrags- und Geschäftsvermittler), die keinerlei Befähigungsvoraussetzungen haben. Zeigte uns nicht die Vergangenheit, dass schon in der Vergangenheit Tausende unterwegs waren, die ohne entsprechende Berechtigung nicht nur (fragwürdige) Tipps gegeben haben, sondern selbst verkauften? Und entweder selbst keck die Anträge unterschrieben, oder halt ein „Berechtigter“ unterschrieb, den der Kunde nie gesehen hat

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.

Entsprechende Fälle wurden aufgezeigt und verfolgt – aber NIEMALS von der Fachgruppe selbst, die konnte oder wollte niemals etwas von Gewerbeverfehlungen wissen.

Wenn man sich die Mitgliederstatistik ansieht, dann nimmt die Zahl dieser Tippgeber erheblich zu
. Aber vielleicht sind das ja auch nur kurzfristige Anmeldungen, um bei der Wahl stimmberechtigt zu sein, das soll es ja schon des Öfteren gegeben haben; und sonderbarerweise wurden später die mit der Anmeldung fälligen Grundumlagen als uneinbringlich ausgebucht.

 

Was wirklich  dem Fass den Boden ausschlägt – das ist die Berufsgruppe der Zahlungsagenten.

So richtig erklären, was die tun, kann niemand. Es kennt anscheinend auch niemand einen solchen. Anwesend war auch keiner – ich habe gefragt.

Rund 200 solche gibt es bereits – aus aller Herren Länder… – und sorgen angeblich für Ein-und Auszahlungen, machen Zahlungskartengeschäfte etc. und sind natürlich auch stimmberechtigt.

Kein Zahlungsagent war bei der Fachgruppentagung, kein Tippgeber, nur auf die Frage nach anwesenden „Versteigerern von beweglichem Vermögen“ gab es ein verschämtes „JEIN“. Ich erspare die Erklärung – warte aber darauf, dass auch das zweimalige Inserieren auf WILLHABEN ® zu einer Gewerbeberechtigung führt; schließlich kann man nie genug Mitglieder haben – nach Ansicht der Fachgruppe der Finanzdienstleister.

Wie man hört, sind die gut organisierten etablierten Polit-Kammerorganisationen bereits heftig dabei, die Wahlkarten für diese Personen zu beantragen (um sie später einzusammeln…)

 

All diese Maßnahmen, mehr Mitglieder zu akquirieren, stehen in diametralem Gegensatz zu den fatalen Erfahrungen in der Vergangenheit.

Die Branche leidet seit Jahren unter den Folgen der Finanzkrise, vor allem aber unter den jahrelangen Klagen gegen Finanzdienstleister.

 

Der demokratische Umgang mit Anträgen von Mitgliedern

Ich habe mir – als ordentliches Mitglied – dann auch erlaubt, einen Antrag zu stellen: Nämlich auf Entfernung der Zahlungsagenten aus dem Berufsbild der Finanzdienstleister.

Der Obmann bekam wohl mit, dass die Mehrheit der Teilnehmer diesem Antrag folgen würde, und verschanzte sich hinter dem WKG (Anm.: Wirtschaftskammergesetz) – der Antrag hätte vorher schriftlich eingebracht werden müssen. Dass es dem Obmann möglich ist, Anträge jederzeit zuzulassen  (ich habe dies in vielen Jahren als Fachgruppenobmann AUSNAHMSLOS so gehalten) musste Hr. Prietl zwar einräumen, aber er blieb bei seiner Mauertaktik.

 

Die Standesregeln:

Nun könnte man annehmen, dass die Finanzdienstleister durch nun verabschiedete Standesregeln eine klare Qualitätsoffensive starten – doch weit gefehlt!

Bereits in einer früheren Veranstaltung warb der vorsitzende Richter dieser Standesregeln damit, dass es sich um „eine reine Marketingmaßnahme handle, dass es eh keine Verfahren geben würde, dass sich keiner fürchten brauche…“

Abgesehen von diesen sonderbaren Aussagen ist es eine einzigartige juristische Fehlleistung, dass es zu den Verfahren zu diesen Standesregeln keine Instanz gibt
. Weder für den Beschwerten, noch für den Beschwerdeführer.

Geradezu lächerlich sind die Auflagen, die man erfüllen muss, um in diese „Elitetruppe“ Eingang zu finden.

Man muss versprechen, die gewerberechtlichen Auflagen zu erfüllen (toll!!!)  UND hat statt 40 Stunden Fortbildung deren 60 in 3 Jahren zu erfüllen. Wahrlich grandios.

Meine Frage nach den Kosten für den Wirbel wurde von Obmann Prietl damit beantwortet, dass es keine Kosten gäbe. Als ich nicht locker ließ, lautete die Antwort, der Fachverband trage die Kosten. Und schließlich musste Prietl einräumen, dass über den Umweg des Fachverbandsanteils Wien als größtes Bundesland natürlich den Großteil der Kosten trägt – indirekt halt.

Mit dem Geld ALLER Mitglieder wird also eine selbsternannte „Pseudo-Elite“ geschaffen und beworben, die für Nichts gut ist.

 

Banken, FMA und deren Vertreter…

Die altgedienten Berater und Verkäufer von Wertpapieren wissen, dass es heute nur mehr einen Bruchteil der Anzahl von WPDLUs gibt, die es einmal gab.

Einer der genannten Hauptgründe – so erzählen es zumindest jene, die aufgegeben haben –  ist, dass die Banken gemeinsam mit der FMA dafür „sorgen“, dass einer nach dem anderen seine Konzession zurücklegt.

Das hat dazu geführt, dass der Bankensektor das Geschäft vermehrt wieder in die Hände bekommen hat.

Ein großer Player in diesem Geschäft ist eine große Bankentocher. Diese Bankentochter hat auch einen angestellten Geschäftsführer – und dieser Geschäftsführer ist auch Obmann der Fachgruppe der Wiener Finanzdienstleister.

 

Zusammenfassend:

Diese Fachgruppentagung war ein – ich kann es nicht anders sagen – erbärmliches Erlebnis.

Es ist erschütternd, dass aus der Vergangenheit Nichts gelernt wird, ganz im Gegenteil.

Für mich, der ich seit 1978 Wertpapiere berate und verkaufe, ist der Niedergang der Branche sehr schmerzhaft.

Und es sind nicht nur Pech, die Finanzkrise, oder sonstige externe Gründe, die dazu geführt haben.

Es wurde eine vollkommen verfehlte Standespoltik betrieben.

 

Mitgliederwachstum um jeden Preis, Legitimieren von Gewerbeübertretungen (man denke an die Nebengewerbsthematik), lächerlich kurze Ausbildungen und vollkommen sinnloses Zusammenfassen aller möglichen Berufe unter dem Dach der Finanzdienstleistung.

 

Wie soll man für einen Beruf werben, der 10 verschiedene Ausübungsformen hat?

Wie soll sich ein hochqualifizierter Wertpapierberater mit einem Tippgeber oder Zahlungsagenten identifizieren?

Wieso können ungeprüfte Tippgeber über die Interessen geprüfter Vermögensberater (mit)bestimmen?

Und wieso macht die Fachgruppe den Bock zum Gärtner – einen Bankangestellten zum Vertreter unabhängiger Vermögensberater?

 

Das muss anders werden!

Und dafür stehe ich,

Rudolf Mittendorfer

Sprecher des Unabhängigen Wirtschaftsform