Leserbrief von Rudolf Mittendorfer zum Versicherungsjournal-Artikel: „Es ist wahrscheinlich unwahrscheinlich” am 2.12.2024
– Der hochinteressante Artikel von Herrn Krischanitz wird wohl (leider) das Kaufverhalten der Menschen nicht verändern.
Wiewohl die Chance auf einen Lottosechser bei 1 zu 8 Millionen liegt, hoffen wahrscheinlich 8 Millionen Österreicher darauf. Die Wahrscheinlichkeit/Gefahr, durch einen Unfall invalid zu werden, ist wesentlich größer. Auch die Prämie ist niedrig, aber „gekauft“ wird nicht nach Wahrscheinlichkeit oder tatsächlichem Risiko (demgemäß müßte ja jeder/jede eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen), sondern auch nach „convenience“. Krankenversicherungen haben es geschafft – viele nennen sich jetzt „Gesundheitsversicherer“ und das Geschäft boomt … obwohl die Prämien durchwegs geschmalzen sind.
Meines Erachtens spielt die soziale/öffentliche Akzeptanz von Produkten eine große Rolle. Diese wiederum hängt natürlich mit Marketing zusammen. Das sollten die Versicherer auch hinsichtlich der Natkat-Thematik beachten. Um diese politisch durchzubringen, „braucht“ es nicht nur dramatische Hochwässer, sondern eine konsequente Abkehr vom werbewirksamen Katastrophenfonds und rationale und emotionale Begleitmusik.
Die Bevölkerung muß/müßte durch die zuständigen Institutionen sowohl mit dem Wesen einer Risikogemeinschaft und eines Risikoausgleiches vertraut gemacht werden als auch mit den persönlichen Kosten wie auch den allfälligen Vorteilen. Ein Haus in Kalifornien, wo es keine Feuerversicherung gibt, ist weniger wert. Das kann man schnell auf Hochwassergebiete umlegen.